"Du kannst dich aber nicht nur über die Produkte informieren, sondern mit Hilfe der Kommentarfunktion Fragen dazu stellen oder von deinen eigenen Erfahrungen berichten", so titelt die Website Pinkmelon im Header des Testberichts-Bereich - ganz im Sinne des Web 2.0 werden die Besucher zum Mitgestalten aufgefordert. Zwar kann nicht jeder eigene Themen-Beiträge posten (zumindest in diesem Bereich, im Forum gelten andere Regeln), aber jedere angemeldete User kann die veröffentlichten Testberichte kommentieren, dies wird ja scheinbar sogar gewünscht.
Leider scheint die Realität jedoch anders zu sein: Kritische Beiträge sind demnach sehr mit Vorsicht zu verfassen, zumindest inoffiziell scheint die Regel zu gelten "Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, sag lieber gar nichts." Ein Ansatz, der einem kritischen und konstruktivem Austausch Steine in den Weg legt.
Im konkreten Fall geht es um eine Qualitätsdebatte - darf man von User Generated Content Qualität erwarten? Zumindest am Beispiel des Superprojekts Wikipedia lautet die Antwort eindeutig "ja". Zwar können auch unangemeldete Nutzer Beiträge editieren, in diesem Fall wird jedoch die IP-Adresse aufgezeichnet. Artikel, die nicht den Qualitätsstandards von Wikipedia gerecht werden, werden getaggt - wie zum Beispiel der Artikel zu Social Media, der mit dem Hinweis versehen wurde, dass die Informationen nicht hinreichend belegt sind.
Im Fall von Pinkmelon scheint die Antwort auf die Qualitätsfrage jedoch eher negativ auszufallen. Der Testbericht "Keine Spur vom Regenbogen" war dabei der Stein des Anstoßes: Es handelt sich um eine Rezension eines Eyeliners von Agnés b, der von der Testerin in Form eines "fiktiven Interviews" verfasst wurde. Interviewerin war dabei das Seiten-Maskottchen Pinkmel, eine gebräunte Comic-Blondine im rosa Kleid, die die Seite ziert.
Der Bericht wurde von einer Kommentatorin - der Autorin dieses Blogs - zunächst negativ bewertet (1), auf die Reaktion der Berichtschreiberin hin, explizierte die Kommentatorin, dass sie die gewählte Form des fiktiven Interviews für wenig sinnvoll halte, da zum einen die Übersichtlichkeit des Artikels darunter leide, zum anderen enthalte der Artikel Passagen, die inhaltlich nichts zur Rezension beitragen.
Konkret handelt es sich dabei um folgenden Abschnitt:
Pinkmel: Und das wäre?
Mylanqolia: Das Schütteln des Stiftes.
Pinkmel: Bei dir geht es beim Testen offenbar sehr rhythmisch zu. Lass mich raten: Eine Mischkugel sorgt für die musikalische Untermalung.
Mylanqolia: Richtig! Für diese Antwort erhältst du 1000 Gummipunkte und einen aufblasbaren iPod. Glücklicherweise hat man bei diesem Liner daran gedacht. Andernfalls würde die Flüssigkeit schneller breiig werden und eintrocknen. (2)
Aus dem zitierten Abschnitt lässt sich für den Leser zwei Informationen ableiten: a) Dass der Eyliner über eine "Mischkugel" verfügt, b) dass diese das Eintrocknen des Stiftes verhindert. Diese beiden Informationen werden in insgesamt vier Abschnitten transportiert, wovon die ersten beiden Sinnabschnitte keinerlei Informationsgehalt haben, der dritte immerhin das Stichwort "Mischkugel" enthält, dass im vierten Sinnabschnitt näher ausgeführt wird.
Die Autorin des Blogs kommentierte unter den Artikel sinngemäß (1), dass die Berichtschreiberin sich selbst interviewe, weil es sonst niemand tue - eine Formulierung die ursprünglich gedacht war, auf die (nach Meinung der Autorin) sinnlose Interview-Form hinzuweisen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass gerade beim Medium Internet Missverständnisse vorkommen können - Nicola Döring beschreibt das in ihrem 2003 erschienen Buch "Die Sozialpsychologie des Internet" (3) mit dem Stichwort "Kanalreduktion" - Internet-User die Miteinander in Kontakt treten, können nicht alle (Sinnes-)Kanäle nutzen; so fallen zum Beispiel Intonation und Gestik weg. Dadurch steigt die Anfälligkeit für Fehlinterpretationen und Missverständnisse.
Die Berichtsschreiberin erwiderte daraufhin Folgendes: Dieses Interview ist rein ironisch zu verstehen und fungiert als Dynamisierung der monotonen und zugleich redundanten Form eines Testberichts. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Produkt, was einem aufmerksamen Leser sicherlich nicht entgangen sein wird. Unaufmerksame Leser sollten sich ihre unreflektierten Kommentare sparen. Danke. (1)
In Anbetracht der oben erwähnten Idee der Kanalreduktion, mit der sich die Autorin 2009 im Rahmen eines Seminar eingehend beschäftigte, explizierte die Autorin daraufhin (1), dass sich ihre Kritik vor allem gegen die gewählte Interview-Form richte, die sie für "sinnlos" halte. Zudem betonte die Autorin, dass sich sich nicht als unreflektierte Leserin verstehe, sondern im Gegenteil nach Reflektion des Artikel beschlossen habe, Kritik zu äußern. Ferner bezeichnete sie die Berichtschreiberin als "kritikunfähig", ausschlaggebend hierfür war die extrem heftige und wenig konstruktive Reaktion der Berichtschreiberung auf den ersten Kommentar der Autorin.
(1) Der entsprechende Austausch ist von der Administratorin der Seite entfernt worden und kann deshalb nur sinngemäß wiedergegeben werden. Wörtliche Zitate stammen aus Sicherungskopien, die die Autorin des Blogs vorgenommen hatte, bevor die entsprechenden Beiträge gelöscht wurden. Gleiches gilt für Auszüge aus Persönlichen Nachrichten (PN), die ebenfalls von der Administratorin aus dem Postfach der Autorin gelöscht wurden.
(2) Dieses Zitat ist Eigentum der Autorin Mylanqolia und wurde auf Pinkmelon veröffentlicht, wie im Fließtext und an dieser Stelle durch Nennung der Autorin und Verlinkung der Quelle belegt wird. Sollten die Autorin des Berichts, die Administratorin der Seite oder andere Berechtigte Einwände gegen das hier verwendete Zitat haben, bitte ich sie, mir dies mitzuteilen. Sollte sich dieses Zitat außerhalb von §51 UrhG bewegen, werde ich den entsprechenden Abschnitt umgehend entfernen.
(3) Döring, Nicola (2003): Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hogrefe.


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